Beste Schichtplan-App
Blog · Von Dr. Katharina Müller · 20. August 2026

4-Schicht-System und 5-Schicht-System: Konti-Modelle im Vergleich

Vier oder fünf Gruppen — die Entscheidung sieht organisatorisch aus und ist in Wahrheit eine Entscheidung über die Wochenarbeitszeit, die freien Wochenenden und den Ausfallpuffer.


Das Wichtigste in Kürze
  • Ein vollkontinuierlicher Arbeitsplatz bindet 168 Stunden pro Woche — die Zahl der Schichtgruppen folgt daraus, nicht aus Gewohnheit.
  • Im 4-Schicht-System entfallen rechnerisch 42 Wochenstunden auf jede Gruppe; bei 35- bis 40-Stunden-Verträgen entsteht dadurch ein Überhang, der über Freischichten ausgeglichen werden muss.
  • Im 5-Schicht-System sind es 33,6 Wochenstunden je Gruppe — das Modell trägt kürzere Wochenarbeitszeiten und bringt deutlich mehr freie Wochenenden.
  • Beide Modelle arbeiten mit kurzen Blöcken und Vorwärtsrotation; die Blocklänge, nicht die Gruppenzahl, entscheidet über die Belastung.
  • Faustregel für die Auslegung: 168 ÷ Wochenarbeitszeit ergibt den Mindestbedarf, geteilt durch (1 − Ausfallquote) den realistischen.

Was unterscheidet ein 4-Schicht-System von einem 5-Schicht-System?

Der Unterschied liegt nicht in der Zahl der Schichtlagen, sondern in der Zahl der Mannschaften. Beide Modelle sind in aller Regel Dreischichtbetriebe — Früh, Spät, Nacht — die rund um die Uhr an sieben Tagen laufen. Was sich unterscheidet, ist die Anzahl der Gruppen, die sich diese Besetzung teilen: vier oder fünf.

Genau daraus folgt alles Weitere. Vier Gruppen teilen sich 168 Wochenstunden, also 42 Stunden pro Gruppe. Fünf Gruppen teilen sich dieselben 168 Stunden, also 33,6 Stunden pro Gruppe. Die Gruppenzahl ist damit keine organisatorische Vorliebe, sondern eine Entscheidung über die Wochenarbeitszeit — und über die Zahl der freien Wochenenden.

Die Rechnung hinter der Gruppenzahl

Der Ausgangspunkt ist immer derselbe: Ein durchgehend besetzter Arbeitsplatz braucht 24 × 7 = 168 Stunden Anwesenheit pro Woche. Wer wissen will, wie viele Gruppen ein Modell trägt, teilt diese 168 Stunden durch die vertragliche Wochenarbeitszeit.

Gruppenzahl, gebundene Stunden und passende Wochenarbeitszeit
ModellStunden je Gruppe und WochePasst zu einer Wochenarbeitszeit vonWochenenden
3-Schicht, teilkontinuierlich (Mo–Fr)40,0 Stunden40 Stundenfast alle frei
4-Schicht, vollkontinuierlich42,0 Stunden42 Stunden — sonst Freischichten nötigrund jedes zweite teilweise frei
5-Schicht, vollkontinuierlich33,6 Stunden33,6 bis 35 Stundendeutlich mehr ganze freie Wochenenden
6-Schicht, vollkontinuierlich28,0 StundenTeilzeitmodelle, hohe Belastungszulagenmehrheitlich frei

Die Zeile zum 4-Schicht-System erklärt einen in der Praxis häufigen Konflikt: Wer vier Gruppen einsetzt, aber 38 oder 35 Wochenstunden vereinbart hat, produziert pro Person und Woche vier bis sieben Überstunden — systematisch, nicht zufällig. Aufgefangen wird das über eingeplante Freischichten, also Tage, an denen eine Gruppe zusätzlich zum Rhythmus freigestellt wird und eine Reservegruppe einspringt. Wer diese Freischichten nicht von vornherein einplant, entdeckt sie später als Berg auf dem Stundenkonto.

Wie sehen die Rhythmen konkret aus?

Beide Modelle lassen sich als kurzer, sich wiederholender Block schreiben. Zwei Beispiele, die die Rechnung oben genau abbilden:

Zwei typische Blockmuster im Vergleich
ModellBlockmusterZykluslängeSchichten je ZyklusStunden je Woche
4-Schicht2 × Früh · 2 × Spät · 2 × Nacht · 2 × frei8 Tage6 Schichten à 8 Stunden42,0
5-Schicht2 × Früh · 2 × Spät · 2 × Nacht · 4 × frei10 Tage6 Schichten à 8 Stunden33,6

Der Unterschied ist im Alltag genau das, was in der letzten Spalte steht: zwei zusätzliche freie Tage nach jedem Nachtblock. Arbeitsmedizinisch ist das der entscheidende Punkt — nicht die Gesamtstundenzahl, sondern die Erholungsphase nach der Nachtarbeit. Für Schichtblöcke gilt die Orientierung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: höchstens drei Nachtschichten in Folge, danach mindestens 24, besser 48 Stunden Erholung, und durchgehend vorwärts rotieren. Warum das so ist, erläutert der Beitrag Schichtarbeit und Gesundheit.

Beide Muster sind bewusst kurz gehalten. Der ältere Wochenrhythmus — eine Woche Früh, eine Woche Spät, eine Woche Nacht — ist einfacher zu verwalten, verlängert aber den Nachtblock auf sieben Schichten und gilt damit als überholt.

Was bedeuten die Modelle für Wochenenden und Feiertage?

Im 4-Schicht-Rhythmus mit Achttageszyklus fällt der freie Block regelmäßig auf Werktage; ganze freie Wochenenden sind die Ausnahme. Im 5-Schicht-Rhythmus mit Zehntageszyklus verschiebt sich der längere Freiblock so, dass er häufiger ein Wochenende vollständig einschließt. Für die Personalgewinnung ist dieser Unterschied oft wichtiger als ein paar Euro Zuschlag.

Rechtlich bleibt in beiden Modellen die Vorgabe aus § 11 Abs. 1 ArbZG bestehen: mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen beschäftigungsfrei bleiben. Für Sonntagsarbeit ist ein Ersatzruhetag innerhalb von zwei Wochen zu gewähren, für Arbeit an einem auf einen Werktag fallenden Feiertag innerhalb von acht Wochen (§ 11 Abs. 3 ArbZG). Wer Vollkonti plant, muss diese Ersatzruhetage im Muster mitführen — sie sind kein Bonus, sondern eine Bedingung.

Wie viele Gruppen braucht der Betrieb wirklich?

Die 168-Stunden-Rechnung liefert den Mindestbedarf für ein Jahr ohne Ausfälle. Solche Jahre gibt es nicht. Urlaub, Krankheit, Fortbildung und Freistellungen binden je nach Branche 15 bis 25 Prozent der Jahresarbeitszeit. Der realistische Bedarf ergibt sich deshalb erst im zweiten Schritt:

Mindestbedarf = 168 ÷ Wochenarbeitszeit · Realbedarf = Mindestbedarf ÷ (1 − Ausfallquote). Bei 35 Wochenstunden und 20 Prozent Ausfall sind das 4,8 ÷ 0,8 = 6,0 Vollzeitkräfte je Arbeitsplatz — deutlich mehr, als die reine Gruppenzahl vermuten lässt.

Praktisch lösen Betriebe die Differenz auf zwei Wegen: durch eine zusätzliche Gruppe (aus vier wird fünf) oder durch einen definierten Ausfallpuffer neben dem Rhythmus. Wie ein solcher Puffer dimensioniert wird, beschreibt der Beitrag Springerpool aufbauen. Wer den Puffer nicht plant, plant faktisch mit kurzfristigem Einspringen — und bezahlt ihn über Mehrarbeit, Zuschläge und Fluktuation.

Welche Modelle sind mitbestimmungspflichtig?

Alle. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie die Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage unterliegen nach § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG der Mitbestimmung des Betriebsrats. Ein Wechsel von vier auf fünf Gruppen — oder umgekehrt — ist damit kein einseitiger Organisationsakt, sondern eine Regelungsfrage. Hinzu kommt § 6 Abs. 1 ArbZG: Die Arbeitszeit von Nacht- und Schichtarbeitnehmern ist nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen. Rotationsrichtung und Blocklänge gehören damit in die Betriebsvereinbarung, nicht in eine Tabellenspalte.

Was eine Schichtplan-App im Konti-Betrieb leisten muss

Konti-Modelle sind Musterarbeit: Ein Rhythmus wird über Monate fortgeschrieben, und der Aufwand entsteht ausschließlich bei den Abweichungen. Drei Funktionen entscheiden deshalb über den Nutzen einer App in diesem Umfeld — erstens wiederholbare Schichtvorlagen, die einen 8- oder 10-Tage-Zyklus über das Kalenderjahr ausrollen; zweitens eine Regelprüfung, die Ruhezeit, Höchstarbeitszeit und den kurzen Nachtarbeits-Ausgleichszeitraum nach § 6 Abs. 2 ArbZG beim Eintragen meldet; drittens ein Stundenkonto, das den Überhang aus 42-Stunden-Wochen sichtbar hält, statt ihn erst im Jahresabschluss zu zeigen.

Der Testsieger dieser Auswertung, Aplano, deckt diese drei Punkte ab: wiederholbare Vorlagen, Hinweise auf Pausen- und Ruhezeitkonflikte und ein fortlaufendes Stundenkonto neben der Zeiterfassung. Belegt sind 4,8 von 5 bei 113 Bewertungen auf Capterra und 4,7 von 5 bei 206 Bewertungen auf OMR Reviews, Stand Juli 2026. Welche Apps welche Stärken haben, zeigt der Vergleich aller getesteten Lösungen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen 4-Schicht- und 5-Schicht-System?

Beide sind vollkontinuierliche Dreischichtbetriebe, die rund um die Uhr an sieben Tagen laufen. Der Unterschied ist die Zahl der Schichtgruppen, die sich die 168 Wochenstunden je Arbeitsplatz teilen: Bei vier Gruppen entfallen 42 Stunden pro Woche und Gruppe, bei fünf Gruppen 33,6 Stunden. Das 5-Schicht-System bringt dadurch mehr freie Tage und mehr ganze freie Wochenenden.

Wie viele Mitarbeiter braucht ein vollkontinuierliches Schichtsystem?

Der Mindestbedarf ergibt sich aus 168 Stunden geteilt durch die vertragliche Wochenarbeitszeit: bei 40 Stunden 4,2, bei 38,5 Stunden 4,4 und bei 35 Stunden 4,8 Vollzeitkräfte je Arbeitsplatz. Für Urlaub, Krankheit und Fortbildung kommen je nach Branche 15 bis 25 Prozent hinzu, sodass der realistische Bedarf regelmäßig bei fünf bis sechs Vollzeitkräften liegt.

Warum entstehen im 4-Schicht-System Überstunden?

Weil vier Gruppen rechnerisch 42 Wochenstunden abdecken müssen, die Verträge aber meist 35 bis 40 Stunden vorsehen. Die Differenz ist systematisch und muss über eingeplante Freischichten oder eine zusätzliche Reservegruppe ausgeglichen werden, sonst wächst sie unbemerkt auf dem Stundenkonto an.

Wie viele Sonntage müssen im Konti-Betrieb frei bleiben?

Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen nach § 11 Abs. 1 ArbZG beschäftigungsfrei bleiben. Für Sonntagsarbeit ist zusätzlich ein Ersatzruhetag innerhalb von zwei Wochen zu gewähren, für Arbeit an einem auf einen Werktag fallenden Feiertag innerhalb von acht Wochen.

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Über die Autorin

Dr. Katharina Müller ist Arbeitswissenschaftlerin und Expertin für Personalplanung, Arbeitszeitgestaltung und Workforce Management.

Quellen & Stand der Daten

  1. § 3 ArbZG (Höchstarbeitszeit) und § 5 ArbZG (Ruhezeit): gesetze-im-internet.de/arbzg/__3 · __5
  2. § 6 ArbZG (Nacht- und Schichtarbeit, arbeitswissenschaftliche Gestaltung, Ausgleichszeitraum): gesetze-im-internet.de/arbzg/__6
  3. § 11 ArbZG (15 freie Sonntage, Ersatzruhetage): gesetze-im-internet.de/arbzg/__11
  4. § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG (Mitbestimmung bei Lage der Arbeitszeit): gesetze-im-internet.de/betrvg
  5. Empfehlungen zur Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit: baua.de (abgerufen August 2026)
  6. Schichtvorlagen, Regelhinweise und Stundenkonto als App-Funktion: aplano.de/dienstplan-app (Stand Juli 2026)